Quelle: www.baden-online.de / Autor: Günter Ferber, 16.07.2011

Erster Spatenstich für dasKinzig-Wasserkraftwerk inWillstätt, von links:

Markus Huber, Firma Doll Bad-Peterstal, Ulrich Dumont,Ingenieurbüro,

Nikolas Stoermer,1. Landesbeamter,Knut Zschiedrich,Vorstands-Chef Süwag,

Willi Stächele, Landtagspräsident

 

Baustein für die Energiewende

Süwag Energie AG baut an der Kinzig bei Willstätt »modernste Wasserkraftanlage Deutschlands«

Der erste Spatenstich ist getan. Gestern haben die Bauarbeiten für das Wasserkraftwerk an der Kinzig bei Willstätt

begonnen. Die Süwag investiert 8 Millionen Euro für umweltfreundliche Energiegewinnung.

Willstätt. Mit dem obligatorischen ersten Spatenstich wurde am gestrigen Freitag der Startschuss für den Bau eines neuen Wasserkraftwerks am Willstätter Kinzigwehr gegeben. »Voraussichtlich ab Oktober des kommenden Jahres wird die neue Anlage CO2 freien Strom für rund 1400 Haushalte liefern«, teilte Knut Zschiedrich, Vorstandsvorsitzender der Süwag Energie AG, den Gästen beim symbolischen Baubeginn mit.

Mit einer Leistung von 990 Kilowatt arbeitet den Ausführungen von Knut Zschiedrich zufolge das neue Kraftwerk deutlich effizienter als das heutige Kraftwerk im Mühlenanbau in der Ortsmitte von Willstätt. Die neue Anlage wird mit rund fünf Millionen Kilowattstunden pro Jahr etwa 40 Prozent mehr Strom erzeugen. Dadurch werden jedes Jahr über

1800 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart.

»Dieses Projekt«, so der Süwag-Chef, »ist eine grüne Investition in die Zukunft. Wir bauen in Willstätt eine der modernsten Anlagen Deutschlands.« Der direkt vor Ort erzeugte Strom ist laut Knut Zschiedrich ein wichtiger Baustein mit dem Ziel, die Energiewende in der Ortenau gemeinsam zu realisieren. »Von dem neuen Wasserkraftwerk profitieren die Umwelt und das Klima, aber auch die Gemeinde Willstätt«, betont Knut Zschiedrich.

Gleichzeitig mit dem Bau des neuen Wasserkraftwerks wird eine Fischtreppe gebaut, »damit Wanderfische wie der Lachs zu ihren Laichplätzen in der Kinzig gelangen können, die den Höhenunterschied von 3,5 Metern derzeit nicht passieren können«, so Knut Zschiedrich. Willstätt profitiert von diesem Neubau dadurch, dass nach Fertigstellung des neuen Kraftwerks die Turbinen in der Ortsmitte bei der alten Mühle stillgelegt werden und damit der Umbau der alten Mühle vollzogen werden kann.

Kinzig-Umgestaltung

Ferner wird die alte Kinzig durch das Land Baden-Württemberg in der Folge umgestaltet. Insgesamt 10 Millionen Euro werden in den kommenden Monaten in Willstätt in das neue Wasserkraftwerk und die Umgestaltung der Kinzig investiert. Davon entfallen 8 Millionen Euro auf die Süwag.

Knut Zschiedrich verweist darauf, dass die Süwag schon seit Jahrzehnten auf die Wasserkraft setzt. So wird in Willstätt bereits seit 110 Jahren auf diese Weise Strom erzeugt. »Insgesamt 16 Wasserkraftwerke der Süwag erzeugen umweltfreundlichen Strom«, so Knut Zschiedrich.

»Dies ist ein guter Tag für Willstätt und ein sehr guter Tag für die Umwelt und die Ökologie«, bekräftigt Bürgermeister Marco Steffens. »Es kann endlich losgehen.« Viele Zahnräder hätten ineinander greifen müssen, damit das Projekt realisiert werden konnte. An ein neues Wasserkraftwerk an der neuen Kinzig wurde bereits beim Bau des neuen Absturzwehrs in den 50er Jahren gedacht, denn damals wurde schon der Wasserauslauf integriet, der nun verwendet werden kann. Der Willstätter Bürgermeister dankte allen Beteiligten, die sich insbesondere was die Umgestaltung der alten Kinzig angeht im Rahmen eines runden Tisches mit eingebracht haben. Marco Steffens bat jetzt um Verständnis, dass es während der Baumaßnahme Einschränkungen im Verkehr geben wird. So wird die Kinzigbrücke zeitweise gesperrt werden müssen.

Landtagspräsident Willi Stächele verwies darauf, dass die Planungen für dieses Wasserkraftwerk bereits im Jahr 2009 begonnen haben. »Wir stünden heute auch hier, ohne Fukushima«, verdeutlichte der CDU-Wahlkreisabgeordnete. 

»Willstätt gewinnt«  Baden-Württemberg habe lange vor der Japan-Katastrophe gewollt, dass regenerative Energien ambitioniert ausgebaut werden. »Grüner, dezentral erzeugter Strom«, so Willi Stächele, »ist für uns wahrlich nichts Neues, speziell hier an der Kinzig und ihren Nebenflüssen. Wir machen nur kein großes Tamtam.« Die Gemeinde Willstätt gewinne materiell und immateriell durch die Möglichkeit, das Landessanierungsprogramm idealtypisch zu nutzen, erläutert Stächele, also sich eine richtige Ortsmitte zu geben und dabei ein identitätsstiftendes, prägendes Baudenkmal wie die alte Mühle zu reanimieren. Willi Stächele verweis darauf, dass mit diesen Investitionen Aufträge an die heimischen Betriebe gehen und damit Arbeitsplätze gesichert werden.